Beobachtete Klimaänderungen
Unter Klima versteht man die Gesamtheit meteorologischer Größen, gemittelt über eine Zeitspanne an einem bestimmten Ort. Es wird nicht nur durch atmosphärische Prozesse beeinflusst, sondern auch durch die Erdoberfläche, die Sonneneinstrahlung und den Menschen. Natürliche Schwankungen einer oder mehrerer meteorologischer Größen hat es immer gegeben. Jedoch weisen viele Größen eine starke Änderung in eine Richtung in den letzten 150 Jahren auf, die es zuvor noch nie gegeben hat – der so genannte anthropogene Klimawandel. Im Folgenden werden ein paar Beispiele aufgezeigt.
Eine vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene und vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Universität Frankfurt/Main durchgeführte Untersuchung über beobachtete Klimaänderungen in Deutschland hat ergeben, dass der Klimawandel bereits angefangen hat. So zeigt die Analyse des Niederschlages, dass in dem Zeitraum 1901 bis 2000 die Wahrscheinlichkeit für relativ trockene Monate abgenommen, die für extreme Starkniederschläge zugenommen hat, wobei letzteres Ereignis im Osten Deutschlands seltener hingegen im Westen häufiger eingetreten ist. Dies gilt für Tageswerte als auch für Monatswerte in ähnlicher Weise. Im Winter zeigte sich ein starker Trend zu höheren, hingegen im Sommer zu verringerten Niederschlagssummen. Entsprechend haben Tage mit hohen Niederschlagssummen im Sommer verbreitet ab-, in den anderen Jahreszeiten (vor allem im Winter und in Westdeutschland) jedoch zugenommen. Den abnehmenden Trend von Starkniederschlägen im Osten und die Zunahme im Westen veranschaulicht eine Zeitreihe von Pegelständen. Auch wenn das Elbehochwasser 2002 hier nicht aufgeführt ist, so ändert dies nichts an der Grundaussage. [1]
Abb.1:
Jahreshöchstabflüsse an den Pegeln Dresden/Elbe und Köln/Rhein
Quelle: UBA, 2007
Doch mehr Niederschläge im Winter haben nicht unbedingt auch mehr Schnee bedeutet. Seit den 1950er Jahren nahm die Schneedeckendauer in Süddeutschland um 30-40% im Flachland und um 10-20% in Mittelgebirgslagen bis 800m ab. Lediglich über 800m gibt es bisher keinen Negativtrend, stellenweise wurde sogar ein Anstieg verzeichnet. [2]
Bei den Temperaturen zeigte sich, dass besonders kalte Monate und Tage seltener geworden sind und sehr warme zugenommen haben. Auch saisonal lässt sich für Winter, Frühjahr und Sommer ein Trend zum Wärmeren und abnehmende Wahrscheinlichkeit für zu kühle Jahreszeiten ableiten. Besonders im Sommer und Winter zeigte sich eine Zunahme der Wahrscheinlichkeit von warmen und eine Abnahme von kalten Tagen. [1]
| Klimaelement | Frühling | Sommer | Herbst | Winter | Jahr |
|---|---|---|---|---|---|
| Temperatur, 1901 - 2000 | + 0,8 °C | + 1,0 °C | +1,1 °C | + 0,8 °C | + 1,0 °C |
| Temperatur, 1981 - 2000 | + 1,3 °C | + 0,7 °C | -0,1 °C | + 2,3 °C | + 1,1 °C |
Allerdings vollzog sich die Erwärmung nicht linear. So gab es Anfang des Jahrhunderts einen raschen Anstieg, dann eher eine wechselhafte Periode, die in den 1940er Jahren in einer erneuten starken Erwärmung endete. Nach einer erneuten Abkühlung ist seit Ende der 1970er Jahre ein kontinuierlicher und rapider Anstieg zu beobachten, der bis heute anhält. [2]
Abb. 2:
Lufttemperatur (Jahresmittelwerte) in Deutschland 1891 bis 2008
Quelle: DWD, 2008
Eine genaue statistische Analyse der Temperatur in den letzten 100 Jahren erfahren Sie im Bericht über Extremereignisse und Klimaänderung.
Beim Wind sind die Ergebnisse recht uneinheitlich, so dass hier keine klaren allgemeingültigen Aussagen getroffen werden können. Dies hängt vermutlich auch mit der relativ großen Fehlerbelastung zusammen. Mit einiger Vorsicht lässt sich für Deutschland jedoch sagen, dass tendenziell die Wahrscheinlichkeit extrem hoher täglicher Windmaxima im Winter eher zu- und im Sommer eher abgenommen hat. [1]
Anhand von Zeitreihen, die treibhausrelevante Gase (wie Kohlendioxid, Methan oder auch Distickstoffoxid) aufzeigen, lässt sich auch ein eindeutiger Trend zum hausgemachten Klimawandel ableiten. So stieg die Konzentration von CO2 seit der Industrialisierung um 30% und liegt heute bei 367 ppm (Stand: 2004). Die aktuelle Anstiegsrate von 1,5 ppm pro Jahr ist für die letzten 420 000 Jahre einzigartig. Ebenso gibt es keinen vergleichbaren Anstieg der Methankonzentration, welche sich seit der Industrialisierung mehr als verdoppelt hat. Ähnlich verhält es sich auch bei N2O, dessen Anteil sich in der Atmosphäre um 17% erhöhte. [3]
Abb. 3:
Kohlendioxid-Trend auf dem Schauinsland, 1972-2005
Quelle: UBA, 2006
Abb. 4:
Emissionen von Kohlendioxid (CO2) in Mt
Quelle: Umweltbundesamt, 2005
[1] Berechnung der Wahrscheinlichkeit für das Eintreten von Extremereignissen durch Klimaänderungen - Schwerpunkt Deutschland - Siehe http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2946.pdf
[2] Klimawandel in Deutschland - Vulnerabilität und Anpassungsstrategien klimasensitiver Systeme. Siehe http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2947.pdf
[3] Globaler Klimawandel - Klimaschutz 2004. Siehe http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2695.pdf

