Klimafolgen und Anpassung im Bereich Wasserwirtschaft
Klimafolgen
Klimatische Wasserbilanz in Deutschland
Quelle: BMU, 2003
Von den möglichen negativen Auswirkungen des Klimawandels sind im Wasserbereich vor allem die erhöhte Hochwassergefahr und die Verringerung des Wasserdargebots (Berechnung aus Niederschlag minus Verdunstung) im Sommer von Bedeutung. Diese Auswirkungen sind das Ergebnis einer bereits zu beobachtenden und in Zukunft verstärkt zu erwartenden Verschiebung der Niederschläge vom Sommer in den Winter sowie einer erhöhten Verdunstung als Folge steigender Temperaturen. Hinzu kommt eine besonders im Winter erhöhte Wahrscheinlichkeit von Starkregenereignissen und Veränderungen in der Schneedeckendauer. In der Graphik fällt vor allem die stark negative Tendenz des Wasserdargebots in Ostdeutschland und im Rhein-Main-Gebiet sowie die deutlich positive Wasserbilanz in den Gebirgen auf.
Die Hochwassergefahr steigt in ganz Deutschland vermutlich vor allem in den Winter- und Frühjahrsmonaten. Besonders gefährdet sind der Alpenraum und Gebiete ohne ausreichende Retentionsflächen und/oder mit hoher Bebauungsdichte. Inwieweit auch die Gefahr von Sommerhochwässern steigt, ist noch ungeklärt.
Entnahme von Wasser aus der Natur in Deutschland im Jahr 2001
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2005
Der Wasserbedarf in Deutschland variiert regional sehr stark. Besiedlungs- und Industrialisierungsgrad spielen hierbei eine große Rolle. So braucht vor allem der Energiesektor große Mengen Wasser, hingegen die Landwirtschaft mit 1% einen verschwindend geringen Teil. Der tägliche Verbrauch pro Kopf ist rückläufig, wobei dieser Trend in Ostdeutschland besonders stark ist. Hier wurden gut 142 l/ (d*EW) im Jahr 1990 verbraucht, mittlerweile sind es nur noch 93 l/ (d*EW) (Stand 2000). Zudem werden nur 24% der Wasserressourcen in Deutschland genutzt, so dass man von einem ausreichenden Wasservorrat sprechen kann. Lediglich in Regionen mit einer ungünstigen Wasserbilanz (v.a. Brandenburg) kommt es aktuell immer wieder zu Wasserknappheit.
Von einem verringerten Wasserdargebot in den Sommermonaten sind vor allem die zentralen und östlichen Gebiete Ostdeutschlands betroffen. Hier steigt die Gefahr von Dürren, die Einschränkungen in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Energieversorgung und Schifffahrt und evtl. auch in der Trinkwasserversorgung mit sich bringen.
Eine weitere mögliche negative Folge des Klimawandels ist die Reduzierung der Grundwasserneubildungsrate. Bisher sind trotz vielerorts zunehmender Eutrophierung keine Einschränkungen der Trinkwasserversorgung durch den Klimawandel in Deutschland zu erwarten.
Bisher ist die Wasserwirtschaft in Deutschland wenig an die Folgen des Klimawandels angepasst. Im Bereich Hochwasserschutz existieren zwar Schutzmaßnahmen, allerdings werden die Auswirkungen des Klimawandels in den meisten Bundesländern noch kaum in der Planung berücksichtigt. Deshalb ist in diesem Bereich zurzeit in ganz Deutschland von einer „hohen“ Vulnerabilität auszugehen. Auf sommerlichen Wassermangel ist die Wasserwirtschaft bisher überhaupt nicht vorbereitet. Werden keine Maßnahmen getroffen, ist in den betroffenen Regionen (Ostdeutschland) ebenfalls von einer „hohen“ Vulnerabilität auszugehen. In den übrigen Regionen besteht aktuell nur eine „mäßige“ Vulnerabilität in Bezug auf Wassermangel.
Allgemein sollte die Wasserwirtschaft jedoch die Fähigkeit haben, sich in Zukunft an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen, denn ihr steht ein Repertoire an wirksamen Anpassungsoptionen zur Verfügung, auch wenn diese zumeist als aufwändig bewertet werden. Zur Erhöhung einer Anpassung an möglichst viele, mit Unsicherheit behaftete Auswirkungen des Klimawandels werden vor allem dem Wassersparen und dem naturnahen Ausbau von Fließgewässern besonders breite Wirkspektren zugeschrieben.
Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel lassen sich in der Wasserwirtschaft jedoch voraussichtlich nicht ohne besondere Unterstützung (insb. in finanzieller Hinsicht) realisieren. Werden die notwendigen Anpassungsmaßnahmen realisiert, ist eine Reduktion auf eine „geringe“ Vulnerabilität der Wasserwirtschaft gegenüber dem Klimawandel zu erwarten.
Mögliche Strategien zur Anpassung
- Die Anpassung des Sektors Wassers an künftige Veränderungen des Klimas nimmt eine zentrale Bedeutung ein, weil das Management von Wasser nicht nur Extremereignisse wie Hoch- und Niedrigwasser berücksichtigt, sondern auch für eine ausgeglichene Bilanz von Wasserverfügbarkeit und Wasserbedarf sorgen muss. Alle Sektoren sind direkt oder indirekt auf eine ausreichende Wasserverfügbarkeit mit z.T. hohen Ansprüchen an die Wasserqualität angewiesen. Anpassungsmaßnahmen müssen daher gut aufeinander abgestimmt und in einem nationalen und internationalen Rahmen verankert werden.
- Der Hochwasserschutz spielt in Deutschland schon seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle. Für die Anpassung an künftige Klimaverhältnisse sollte die wahrscheinlich ansteigende Wiederkehrfrequenz und die mögliche Erhöhung des Abflusses berücksichtigt werden. Daher müssen bisherige Maßnahmen der Hochwasservorsorge angepasst werden. Dazu gehören ausreichender Hochwasserrückhalt auf Retentionsflächen, eine Flächenvorsorge, welche Bebauung und andere Nutzungen auf den wahrscheinlich betroffenen Überflutungsflächen einschränkt, Bau- und Verhaltensvorsorge sowie Katastrophenschutz und technischer Hochwasserschutz. Die Diskussion über mögliche Auswirkungen des Klimawandels wird künftig stärker von den Flussgebietskommissionen aufgegriffen werden müssen (UBA, 2001).
- Das Auftreten von möglichen Zeitspannen mit Niedrigwasser und Trockenheit erfordert ein nachhaltiges Landnutzungsmanagement, welches die Verweildauer des Wassers in der Landschaft sichert. Eine derartige Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes bringt auch Synergien für den Hochwasserschutz mit sich. Zudem sollte eine angepasste infrastrukturelle Vorsorge, wie die ausreichende Bevorratung von Wasser in Talsperren oder die Möglichkeit, über Fernwasserleitungen Trinkwasser zur Verfügung zu stellen, geschaffen werden. In Industrie, Land- und Forstwirtschaft sowie in privaten Haushalten sollten sinnvolle Wassersparmaßnahmen eingeführt werden, durch die Nutzungsrestriktionen vermieden werden können. Land- und Forstwirtschaft müssen sich mit angepassten Anbaukulturen und modernen wassersparenden Beregnungsanlagen auf mögliche Wasserknappheit einstellen. Auch in der Industrie lässt sich der Wasserbedarf durch verbesserte Produktionsverfahren weiter senken.
- Für die Aufrechterhaltung des Leistungsvermögens der Oberflächengewässer als Ökosysteme sollten diese naturnah bewirtschaftet und, wenn nötig, naturnah ausgebaut werden (z.B. durch die Schaffung von Retentionsflächen oder die Reaktivierung von Altarmen). Mit der Verbesserung der Wasserqualität und des ökologischen Zustands der Oberflächengewässer, wie sie bereits in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie gefordert wird, sinkt die Anfälligkeit der aquatischen Ökosysteme gegenüber Veränderungen durch den Klimawandel. Die monetäre Absicherung gegen Hochwasserschäden und trockenheitsbedingte Ernteausfälle über Versicherungen sowie die Bildung von Rücklagen für Schadensausgleichzahlungen und zukünftige Anpassungsmaßnahmen stellen weitere wichtige Anpassungsstrategien für den zu erwartenden Klimawandel in Deutschland dar.
