Klimafolgen und Anpassung im Bereich Verkehr
Klimafolgen
Der Bereich Verkehr wird im Winter vermutlich vom Klimawandel eher profitieren, denn eine Abnahme von Frost- und Eisstagen führt zu geringeren Einschränkungen in allen Verkehrssektoren (Straße, Schiene, Schifffahrt, Luftverkehr). Im Sommer können vor allem Hitzetage Probleme für den Straßenverkehr mit sich bringen (höhere Unfallzahlen, Schäden an der Infrastruktur). Hier zeigen Studien eine positive Korrelation zwischen Fahrzeuginnenraumtemperatur und Unfallzahlen. Da der Straßenverkehr in Deutschland weit mehr als zwei Drittel des Verkehrsaufkommens ausmacht, dürfen diese Zahlen in Zukunft nicht außer Acht gelassen werden.
Übersicht über den Anteil der Verkehrsmittel am a) Personenverkehr und b) Güterverkehr in Deutschland
Quelle: Bundesregierung, 2000
Eine besondere Gefahr für alle Verkehrssektoren in allen Jahreszeiten geht von sich aufgrund des Klimawandels eventuell häufenden Extremereignissen wie Stürmen, Hagel oder Hochwasser aus. Sie können zu Todesfällen und kurzfristigem Erliegen des Verkehrs führen (mit z.T. sehr großen ökonomischen Schäden aufgrund von Produktionsausfällen) und ziehen oft Schäden an der Infrastruktur nach sich (z.B. Elbehochwasser 2002).
Neben diesen direkten Folgen des Klimawandels ist die Schifffahrt vor allem auf den großen unregulierten Flüssen (Elbe, Weser, Rhein) von Schwankungen im Wasserstand betroffen. In Zukunft ist mit verstärkten Einschränkungen sowohl durch Hochwasser als auch durch Niedrigwasser zu rechnen.
Im Verkehrswesen stehen eine Reihe vor allem technischer Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung. Dazu zählen die Verwendung neuer Materialien, der Bau von Schutzeinrichtungen oder Trassenverlegungen.
Insgesamt werden im Bereich Verkehr mögliche Auswirkungen des Klimawandels und notwendige Anpassungsmaßnahmen sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis bisher kaum thematisiert. Aufgrund der großen volkswirtschaftlichen Bedeutung des Verkehrssektors und den möglichen negativen Auswirkungen des Klimawandels für den Verkehr besteht hier ein sehr großes Defizit.
Der Verkehrssektor in Deutschland ist bisher nicht an den Klimawandel angepasst, so dass zum momentanen Zeitpunkt eine „mäßige“ Vulnerabilität für die Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere Extremereignisse, besteht.
Allgemein sollte der Verkehrssektor jedoch die Fähigkeit haben, sich in Zukunft an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen, denn ihm steht ein Repertoire an wirksamen Anpassungsoptionen zur Verfügung. Andererseits wird die Anpassung voraussichtlich sehr aufwändig sein; denn man kann kaum auf vorhandenes Wissen noch auf vorhandene Maßnahmen aufbauen. So muss die Anpassung des Verkehrssektors besonders unterstützt werden, insbesondere im Sinne der Aufklärung über die Risiken und Chancen, die sich durch den Klimawandel ergeben. Werden die möglichen Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel realisiert, ist eine Reduktion auf eine „geringe“ Vulnerabilität des Verkehrssektors zu erwarten.
Mögliche Strategien zur Anpassung
Da die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf den Verkehrsbereich weitgehend unerforscht sind, ist es verständlich, dass auch zu sinnvollen Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel im Verkehrssektor nur sehr wenig Wissen vorliegt.
- Allgemein können hier technische Anpassungen an den Klimawandel genannt werden. Gegen extreme Hitze können z.B. im Bereich Verkehrsinfrastruktur neue hitzeresistente Materialien eingesetzt werden (z.B. andere Asphaltmischungen). Gegen hohe Fahrzeuginnentemperaturen schützt der Einbau von Klimaanlagen. Auch gegen Extremereignisse sind technische Maßnahmen möglich, wie z.B. Murenschutz oder Trassenverlegung (in potenziellen Hochwassergebieten).
- Auf schwankende Wasserstände der Flüsse kann mit einem verbesserten Management der Wasserstände und mit dem Bau neuer Staustufen reagiert werden. Solche großtechnischen Maßnahmen sind allerdings zum einen teuer, zum anderen stehen sie im Konflikt mit andern Zielen, insbesondere den Zielen des Naturschutzes.
In Gebieten, in denen eine Schiffbarkeit langfristig nur unter großem technischem Aufwand zu bewältigen ist, ist an eine Güterverlegung vom Schiff auf die Schiene zu denken.
Zur Anpassung an die Abnahme von Frost- und Eisstagen im Rahmen der Klimaerwärmung sollte auf größere langfristige Investitionen zum Schutz gegen Vereisung (z.B. Brückenheizungen im Straßenverkehr) verzichtet werden.
