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Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung

Klimafolgen und Anpassung im Bereich Tourismus

Klimafolgen

Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Bereich Tourismus hängen stark von der Reiseform ab. Reiseformen wie Städte- oder Kulturreisen sind vom Klimawandel kaum betroffen – es sei denn, die bereisten Städte sind Extremereignissen wie Hitzewellen oder Hochwasser ausgesetzt und nicht daran angepasst. Ansonsten rechnet man durch eine verlängerte Saison mit steigender Attraktivität von Städtetourismus.

Direkt vom Klimawandel betroffen ist vor allem der Wintertourismus. Auch wenn dieser nur 3% aller Urlaubsreisen ausmacht, ist er lokal gesehen ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Besonders in den tieferen Lagen der Alpen und den deutschen Mittelgebirgen ist bereits in den letzten 50 Jahren ein deutlicher Rückgang der Schneesicherheit zu beobachten. Für die beiden großen südlichen Bundesländer ist ein Rückgang der Schneedeckendauer seit 1950 unter 300m von 30 - 40%, bis 800m immerhin noch von 10 – 20% belegt.

In Zukunft ist damit zu rechnen, dass in den Alpen nur noch in Höhen über ca. 1.500 m, in den Mittelgebirgen in Lagen über 800 – 1000 m Wintersport zu betreiben ist. Beschneiung zur Erhöhung der Schneesicherheit und Saisonverlängerung ist nur kurz- bis mittelfristig als Anpassungsmaßnahme geeignet, da bei steigenden Temperaturen Beschneiung in tieferen Lagen nicht mehr möglich sein wird. Aufgrund dieser Entwicklung ist mit einer Konzentration des Skitourismus auf die höheren Lagen der zentralen Alpen zu rechnen. Für den Wintertourismus in Deutschland kommt deshalb dem Angebot von alternativen Aktivitäten (Wandern, Kulturreisen, Wellnessaufenthalte) eine wichtige Rolle zu.

Auch die typischen Formen des Sommertourismus, insbesondere der Badeurlaub, sind vom Klimawandel betroffen. Hier wird eher von einer positiven Entwicklung für Deutschland ausgegangen. Höhere Temperaturen und geringere Niederschläge im Sommer erhöhen die Attraktivität deutscher Badeziele und können die Badesaison erheblich verlängern. In Zusammenhang mit Attraktivitätsverlusten der klassischen Badeziele in der Mittelmeerregion durch Sommertemperaturen von z.T. über 40°C kann es zu einer Verlagerung des Sommertourismus aus südlichen Regionen nach Deutschland kommen. Auch im Sommertourismus sind Anpassungsmaßnahmen notwendig, um die potenziellen Sommerreiseziele mit wetterunabhängigen Attraktionen zu versehen.

Der Tourismus ist, unabhängig vom Klimawandel, starken Schwankungen und Veränderungen unterworfen, die im Zusammenhang mit den Veränderungen in den sozioökonomischen Rahmenbedingungen, Veränderungen der Altersstruktur, Veränderungen im Lebensstil und der Angst vor Kriegen und Terror stehen.

Im Verhältnis zu diesen Faktoren werden die Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus (mit Ausnahme des Wintersports) bisher kaum beachtet. Entsprechend wenig Anpassungsmaßnahmen sind bisher diskutiert. Insgesamt wird dem Angebot von neuen Aktivitäten eine wichtige Rolle zugesprochen.

Zwar ist der Tourismussektor bisher nicht an den Klimawandel angepasst, so dass für den Wintersportbereich in Deutschland ohne weitere Maßnahmen eine „hohe“, für die übrigen Tourismusformen eine „mäßige“ Vulnerabilität durch die Auswirkungen des Klimawandels besteht. Jedoch sollte der Tourismussektor gut dazu in der Lage sein, diese Anpassung in der Zukunft zu vollziehen. Es bietet sich ihm die Möglichkeit, Verluste im Wintersporttourismus durch Zugewinne im Sommertourismus auszugleichen und ihm steht ein Repertoire an wirksamen Anpassungsoptionen zur Verfügung, von denen sich einige bereits aus anderen Gründen als dem Klimawandel in der Umsetzung befinden. Wird diese Anpassungsfähigkeit genutzt, ist eine Reduktion auf eine „geringe“ Vulnerabilität des Tourismus gegenüber dem Klimawandel zu erwarten.

Mögliche Strategien zur Anpassung

  • Klimawandel ist nur einer der Treiber, die zukünftig den Tourismus beeinflussen werden. Andere Treiber, wie das veränderte Freizeitverhalten, demographische Änderungen und wirtschaftliche Faktoren, beeinflussen den Tourismus in Deutschland weit mehr. Deshalb sollten die jeweiligen Anpassungsmaßnahmen aufeinander abgestimmt sein.
  • Vor diesem Hintergrund wird für den Tourismus in Deutschland eine weitere Flexibilisierung und Diversifizierung des Angebots notwendig sein. Dazu gehören u.a. vermehrte wetterunabhängige Ganzjahresangebote (Indoor-Events, Thermalbäder, Ausstellungen etc.), aber auch die Erhöhung der Attraktivität von Reisezielen durch Betonung regionaler Besonderheiten (Kulturgeschichte, kulinarische Besonderheiten) und die Verbesserung von Bildungs- und Kulturangeboten (z.B. Vorträge, Konzerte).
  • Verschiedene Studien, die sich mit dem Thema Tourismus und Klimawandel beschäftigen, kommen zu dem Schluss, dass eine der Hauptursachen für die geringe Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen der Tourismusbranche die mangelnde Auseinandersetzung mit dem Thema Klimawandel ist. Andere Probleme (wirtschaftliche Entwicklung, Konkurrenz etc.) erscheinen oft dringlicher und es wird in relativ kurzfristigen Zeiträumen argumentiert und gehandelt (Bürki, 2000; Feige et al., 1999).
  • Anpassung Wintertourismus
    Als eine Hauptstrategie gegen mangelnde Schneesicherheit im Wintersport wird die künstliche Beschneiung angesehen. Prinzipiell erlaubt die künstliche Beschneiung, Schneemangel aufgrund von zu geringen Schneefällen auszugleichen und so die Schneesicherheit zu erhöhen und die Saison zu verlängern. Allerdings ist das Beschneiungspotenzial ebenfalls vom Klimawandel betroffen. Beschneiung ist wirtschaftlich nur bei einer Temperatur von unter –4°C durchzuführen. Im Zuge der Klimaerwärmung kommt Beschneiung in den deutschen Skigebieten nur noch kurz- bzw. mittelfristig und nur für Gebiete in höheren Lagen in Frage. Auch rechnen sich die Anlagen aufgrund der hohen Investitionskosten nur für stark frequentierte Pisten und bei hoher vorhandener Beförderungskapazität (Lutz, 2000). Beide Voraussetzungen sind in vielen deutschen Skigebieten nicht gegeben. Hinzu kommen die negativen ökologischen Wirkungen der Beschneiung durch hohen Wasserverbrauch (ca. 1.000 - 4.000m³/ha) und Energieverbrauch (ca. 25.000 kWh/ha) sowie durch die Verkürzung der Vegetationsperiode (Hahn, 2004). Deshalb sollte sowohl aus ökonomischen als auch aus ökologischen Gründen die Neueinrichtung von Beschneiungsanlagen sorgfältig abgewogen werden. Andere Anpassungsmaßnahmen betreffen die Umstellung des Tourismusangebots vom schneegebundenen Sport auf Angebote wie geführte Wanderungen, Wellness und Kultur. Solche Strategien sind vor allem für die Mittelgebirge, die schon länger mit unsicheren Schneeverhältnissen zu kämpfen haben, zu empfehlen.
  • Anpassung Sommertourismus
    Da die Auswirkungen auf den Sommertourismus vielschichtiger und weniger vorhersagbar sind, lassen sich keine speziellen Strategien zur Anpassung formulieren. Auch hier gilt das Prinzip der Diversifizierung, das eine hohe Flexibilität gegenüber Veränderungen mit sich bringt.

Die hier verwendeten Informationen stammen überwiegend aus einem Forschungsprojekt, welches das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im Auftrag des Umweltbundesamtes bearbeitet hat (Förderkennzeichen: 201 41 253). Der Abschlussbericht wurde in der Reihe Climate Change veröffentlicht. Den kompletten Bericht können Sie an dieser Stelle einsehen.

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